|
Anmerkungen zur Inszenierung
Klassiker sind "cool"
SchnurZ bietet in diesem Jahr einen echten Klassiker: Das bürgerliche Trauerspiel "Kabale und Liebe" von Friedrich Schiller. "Warum so einen alten Schinken?" höre ich einige fragen. Klassikerhaben eine Jahrhunderte lange Tradition, hinter deren Geheimnis wir kommen, deren Sprache wir verstehbar machen wollen. Schiller heisst für mich: Gefühl, gepaart mit Poesie; eine echte Alternative zu Oberflächlichkeiten.
In der schlichten Geschichte von "Kabale und Liebe" zeigt Schiller, dass die Kraft der Liebe auf neue Wege führt und dass der Wert eines Menschen nicht an Position und Stand festgemacht werden kann. Sein Ruf nach Freiheit sucht - damals wie heute - Menschen, die ihn hören und umsetzen. Sozialer Druck und psychologische Abgründe der menschlichen Seele sind zeitlos.
Schiller überzeugend und ergreifend darzustellen haben Alexander Nieswandt und ich (das Regieteam) uns vorgenommen. Das minimalistische Bühnenbild steht dabei im Kontrast zu den aufwendigen, selbst genähten Kostümen.
Wer das Geheimnis der Klassiker entdecken will, wird bei SchnurZ durch einen dramatischen Theaterabend fündig werden!
Udo Wilmering
Mir persönlich war immer wichtig, dass ein Klassiker wie "Kabale und Liebe" nicht modernisiert, sondern klassisch inszeniert werden sollte. Udo Wilmering und mir (dem Regieteam) war schnell klar, dass deshalb das Augenmerk auf historische Kostüme der Schiller-Zeit gelegt werden soll. Eine weitere Herausforderung war es, drei Bühnenbilder mit möglichst geringem Umbauaufwand zu gestalten. Die einfache wie praktische Lösung: die Räumlichkeiten der Familie Miller, des Präsidenten von Walter und der Lady Milford durch farbliche Hervorhebung mit Stoffen und Lichteffekten in Szene zu setzen.
Meine persönliche Liebe zu "Kabale und Liebe" entwickelte sich mit der Bearbeitung und Umsetzung des Stücks, da die 200 Jahre alte Geschichte einer Liebe, die nicht sein darf, an Aktualität nichts verloren hat.
Heutzutage sind nicht nur unterschiedliche Stände für eine Liebe hinderlich, sondern auch Alter, Hautfarbe oder gleichgeschlechtliche Beziehungen. Das Missfallen des Umfeldes ist früher wie heute die Saat der Kabalen.
Schiller hat- bewusst oder unbewusst- thematisiert, was an Bedeutung nichts verloren hat; Klassiker sind also nicht nur "cool", sondern sie zeigen in ihren Geschichten auch das Leben von heute.
Alexander Nieswandt
|